Wie viele dezentrale Lüftungsgeräte ein Haus oder eine Wohnung benötigt, lässt sich nicht seriös mit einer einzigen Faustformel beantworten. Die Quadratmeterzahl ist wichtig, aber sie ist nur ein Teil der Planung. Ebenso entscheidend sind Raumart, Nutzung, Feuchtebelastung, Grundriss, Personenanzahl und die Frage, wie die Luft zwischen den Räumen strömen kann.

Die wichtigste Antwort vorweg: Zuerst wird der notwendige Luftaustausch für die einzelnen Räume beziehungsweise die gesamte Nutzungseinheit ermittelt. Erst danach wird geprüft, welches Gerät diesen Bedarf in der gewünschten Betriebsart abdecken kann.

Warum „ein Gerät pro Raum“ keine zuverlässige Regel ist

Zwei gleich große Räume können einen sehr unterschiedlichen Lüftungsbedarf haben. Ein wenig genutztes Arbeitszimmer stellt andere Anforderungen als ein Schlafzimmer für zwei Personen. Ein trockener Wohnraum ist anders zu beurteilen als ein Badezimmer, ein Hauswirtschaftsraum oder ein feuchtebelasteter Keller.

Für eine sinnvolle Auslegung sollten mindestens folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • Raumart, Fläche und Raumhöhe
  • Anzahl der Personen und typische Nutzungsdauer
  • Feuchtebelastung durch Duschen, Kochen, Wäschetrocknen oder Schlafen
  • Luftdichtheit und energetischer Zustand des Gebäudes
  • Lage von Wohn-, Schlaf-, Bad-, Küchen- und Nebenräumen
  • mögliche Gerätepositionen an geeigneten Außenwänden
  • Türen, Türunterschnitte und andere Überströmwege
  • gewünschte Betriebsart: Wärmerückgewinnung, reine Zuluft oder reine Abluft

Bei einer vollständigen Wohnungs- oder Hausplanung wird deshalb nicht nur ein einzelner Raum betrachtet. Es geht um einen nachvollziehbaren Luftweg: Frische Luft soll dort ankommen, wo Menschen sich länger aufhalten, und belastete oder feuchte Luft soll aus den dafür vorgesehenen Bereichen abgeführt werden.

Die JESSP-Planungswerte im Überblick

Bei alternierenden Lüftungsgeräten muss zwischen der maximalen Ventilatorleistung und dem durchschnittlich nutzbaren Frischluftvolumenstrom im Wärmerückgewinnungsbetrieb unterschieden werden. Für die Geräteauswahl sind deshalb die folgenden Werte wichtig:

JESSP-Gerät WRG-Planungswert je Gerät Zwei abgestimmte Geräte Reine Zu- oder Abluft je Gerät
Eco Smart DZ 25 m³/h 50 m³/h bis 50 m³/h, Boost bis 60 m³/h
Eco Smart Easy+ 25 m³/h 50 m³/h bis 50 m³/h
Eco Smart Vario 160 30 m³/h 60 m³/h bis 60 m³/h
Eco Smart Vario 110 12,5 m³/h 25 m³/h bis 25 m³/h

WRG steht für Wärmerückgewinnung. In diesem Betrieb wechselt ein Gerät regelmäßig zwischen Abluft und Zuluft. Die höchste angegebene Lüfterstufe ist deshalb nicht automatisch die dauerhaft zur Verfügung stehende Frischluftmenge.

Ein einfaches Rechenbeispiel

Nehmen wir an, für einen betrachteten Bereich ergibt sich ein notwendiger Volumenstrom von 50 m³/h. Rein rechnerisch könnten diesen Planungswert beispielsweise folgende Gerätekombinationen erreichen:

  • zwei Eco Smart DZ mit zusammen 50 m³/h,
  • zwei Eco Smart Easy+ mit zusammen 50 m³/h,
  • zwei Eco Smart Vario 160 mit zusammen 60 m³/h und entsprechender Leistungsreserve,
  • vier Eco Smart Vario 110, also zwei abgestimmte Gerätepaarungen, mit zusammen 50 m³/h.

Dieses Beispiel vergleicht ausschließlich Volumenströme. Es ist noch keine fertige Empfehlung. In der Praxis muss zusätzlich geklärt werden, in welchen Räumen die Geräte sitzen, wie sie zusammenarbeiten und ob die Luft die vorgesehenen Wege durch das Gebäude nehmen kann.

Warum zwei Geräte häufig sinnvoll sind

Ein einzelnes Gerät kann grundsätzlich genutzt werden. Bei zwei abgestimmt arbeitenden Geräten lässt sich der Luftaustausch jedoch häufig gleichmäßiger gestalten: Während ein Gerät Luft nach außen fördert, führt das andere frische Luft zu. Nach dem Richtungswechsel tauschen beide ihre Aufgaben.

Das reduziert starke Druckschwankungen und schafft einen besser nachvollziehbaren Zu- und Abluftausgleich. Wie der Wechselbetrieb genau funktioniert, erklären wir ausführlich im Beitrag „Push-Pull-Lüftung: Paarbetrieb einfach erklärt“.

Türen und Überströmwege gehören zur Planung

Luft kann nur von einem Raum in den nächsten gelangen, wenn ein geeigneter Weg vorhanden ist. Dauerhaft dicht geschlossene Türen können einen geplanten Luftverbund deutlich einschränken. Je nach Gebäude kommen beispielsweise Türunterschnitte, Überströmelemente oder gezielt angeordnete Geräte in Betracht.

Darum ist es problematisch, nur die Summe aller Geräteleistungen zu betrachten. Entscheidend ist nicht allein, wie viel Luft theoretisch bewegt werden kann, sondern ob sie auch dort ankommt und abgeführt wird, wo es vorgesehen ist.

Typische Fehler bei der Geräteberechnung

  • Nur nach Quadratmetern auswählen: Nutzung und Personenbelegung werden dabei übersehen.
  • Maximalleistung mit Frischluftleistung gleichsetzen: Im Wechselbetrieb ist der durchschnittliche Frischluftwert geringer.
  • Bad und Schlafzimmer gleich behandeln: Beide Räume haben unterschiedliche Aufgaben im Lüftungskonzept.
  • Geschlossene Türen ignorieren: Ohne Überströmweg funktioniert der geplante Luftverbund möglicherweise nicht.
  • Geräte nur nach dem Bohrdurchmesser auswählen: Eine kleine Wandöffnung ist praktisch, ersetzt aber nicht die Prüfung der benötigten Luftleistung.
  • Keine Leistungsreserve einplanen: Ein System, das ständig auf höchster Stufe laufen muss, kann im Alltag unnötig laut sein.

So kommen Sie Schritt für Schritt zur passenden Gerätezahl

  1. Räume erfassen: Raumart, Abmessungen, Personen und typische Nutzung notieren.
  2. Feuchte- und Abluftbereiche markieren: Bad, Küche, Hauswirtschaftsraum oder Keller getrennt betrachten.
  3. Außenwände und Einbauorte prüfen: Leitungen, Fassade, Wandstärke und Zugänglichkeit berücksichtigen.
  4. Luftwege festlegen: Prüfen, wie die Luft zwischen den Räumen strömen kann.
  5. Volumenstrom bestimmen: Den Bedarf mit den WRG-Planungswerten der Geräte vergleichen.
  6. Gerät und Steuerung auswählen: Sensorik, Filter, Bedienung und Bohrdurchmesser einbeziehen.
  7. Ergebnis gegenprüfen: Bei komplexen Grundrissen oder besonderen Anforderungen eine persönliche Planung nutzen.

Welches Gerät passt zu welchem Bedarf?

Der Volumenstrom ist nur ein Auswahlkriterium. DZ, Easy+, Vario 160 und Vario 110 unterscheiden sich zusätzlich bei Filter, Steuerung, Sensorik und erforderlicher Wandöffnung. Die wichtigsten Unterschiede finden Sie im JESSP-Lüftungsgerätevergleich.

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Häufige Fragen zur Gerätezahl

Reicht ein Gerät für ein Schlafzimmer?

Das hängt von Raumgröße, Personenanzahl, gewünschtem Luftaustausch und Betriebsart ab. Ein einzelnes Gerät kann technisch eingesetzt werden; ein abgestimmtes Paar ermöglicht häufig einen gleichmäßigeren Zu- und Abluftbetrieb.

Müssen alle Geräte gleich sein?

Nicht zwingend. Innerhalb einer gemeinsam gesteuerten Paarung oder Gruppe müssen die Geräte und ihre Steuerungslogik jedoch zueinander passen. Unterschiedliche Räume können je nach Bedarf mit verschiedenen JESSP-Modellen ausgestattet werden.

Kann ich später ein Gerät ergänzen?

Grundsätzlich ist eine spätere Erweiterung möglich, sofern Einbauort, Steuerung und Systemaufbau dazu passen. Es ist dennoch sinnvoll, den späteren Gesamtzustand schon bei der ersten Planung mitzudenken.

Weitere Antworten zu Einbau, Kernbohrung, Filtern und Wartung finden Sie in unseren häufigen Fragen zur dezentralen Lüftung.

Hinweis: Dieser Beitrag unterstützt die erste Auswahl. Er ersetzt keine objektspezifische Fachplanung und keine Prüfung besonderer Anforderungen, etwa bei Feuerstätten, innenliegenden Ablufträumen, Schallschutzvorgaben oder komplexen Nutzungseinheiten.

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