Eine dezentrale Lüftung im Neubau sollte geplant sein, bevor Elektroinstallation, Innenputz und Fassade festgelegt werden. Dann lassen sich Gerätezahl, Paarbetrieb, Wandöffnungen, Stromversorgung und Außenhauben sauber aufeinander abstimmen. Wer diese Entscheidungen erst nach dem Innenausbau trifft, schränkt die Gerätewahl ein und riskiert unnötige Nacharbeit.
Die wichtigste Regel: Erst den Luftbedarf und die Luftwege planen, danach Geräte und Einbauorte festlegen. Ein Produkt pro Raum zu verteilen, ohne Paarbetrieb, Nutzung und Überströmwege zu berücksichtigen, ist noch kein Lüftungskonzept.
Warum die Lüftungsplanung im Neubau früh beginnen sollte
Neue Gebäude werden mit einer dichten Gebäudehülle geplant. Dadurch sinken unkontrollierte Wärmeverluste, gleichzeitig findet über Fugen deutlich weniger zufälliger Luftaustausch statt. Das Umweltbundesamt empfiehlt für energieeffiziente Neubauten eine luftdichte Bauweise in Verbindung mit Lüftung und Wärmerückgewinnung. Eine mechanische Lüftung kann den Luftwechsel kontinuierlich übernehmen, ohne dass Bewohner mehrmals täglich an geöffnete Fenster denken müssen.
Die DIN 1946-6:2019-12 behandelt die freie und ventilatorgestützte Lüftung von Wohnungen. Sie umfasst unter anderem Lüftungskonzepte, Außenluftvolumenströme, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung. Dieser Ratgeber ersetzt keine normgerechte Fachplanung. Er zeigt, welche Entscheidungen Bauherren rechtzeitig vorbereiten sollten, damit Fachplanung und Ausführung zusammenpassen.
Acht Entscheidungen vor dem Innenausbau
1. Nutzung und Luftbedarf raumweise erfassen
Planen Sie nicht nur nach Wohnfläche. Ein Schlafzimmer mit zwei Personen, ein Arbeitszimmer mit ganztägiger Nutzung und ein selten genutztes Gästezimmer stellen unterschiedliche Anforderungen. Erfassen Sie pro Raum Fläche, Raumhöhe, Personenzahl und Nutzung. Der Beitrag Wie viele dezentrale Lüftungsgeräte brauche ich? erklärt, warum Gerätezahl und tatsächlich nutzbare Frischluftleistung zusammengehören.
Für eine erste raumweise Vorauswahl können Sie den kostenlosen JESSP Lüftungsplaner verwenden. Das Ergebnis ist eine Planungshilfe; besondere Grundrisse, innenliegende Ablufträume, Feuerstätten oder abweichende bauliche Anforderungen sollten objektspezifisch geprüft werden.
2. Das Lüftungsprinzip festlegen
JESSP Wohnraumgeräte arbeiten im Wärmerückgewinnungsbetrieb mit wechselnder Zu- und Abluft. Für einen ausgeglichenen Luftaustausch werden Geräte passend angeordnet und im Paarbetrieb abgestimmt. Dabei zählt nicht der maximale Volumenstrom im reinen Zu- oder Abluftmodus, sondern der durchschnittliche Frischluftvolumenstrom im Wärmerückgewinnungsbetrieb. Wie die Richtungswechsel funktionieren, zeigt der Ratgeber Push-Pull-Lüftung: Paarbetrieb einfach erklärt.
3. Das passende Gerät je Raum auswählen
Die vier aktuellen JESSP Wohnraumgeräte unterscheiden sich bei Luftleistung, Wandöffnung, Filter und Bedienkonzept. Für die Vorauswahl sind die im Shopify-Shop hinterlegten Planungswerte maßgeblich.
| JESSP Modell | Frischluft je Gerät im WRG-Betrieb | Zwei Geräte im Paarbetrieb | Planungsmerkmal |
|---|---|---|---|
| Eco Smart DZ | 25 m³/h | 50 m³/h | F7-Filter; App sowie Sensorvarianten |
| Eco Smart Easy+ | 25 m³/h | 50 m³/h | F7-Filter; zentraler Wandcontroller |
| Eco Smart Vario 160 | 30 m³/h | 60 m³/h | Ø 160 mm; G3, F7 optional |
| Eco Smart Vario 110 | 12,5 m³/h | 25 m³/h | Ø 110 mm; G3-Filter |
Der JESSP Gerätevergleich ordnet die Modelle nach Raumgröße, Steuerung und Einbausituation ein. Wählen Sie nicht nur nach dem kleinsten Bohrdurchmesser: Ein kompaktes Gerät kann in einem großen oder stark belegten Raum eine höhere, hörbarere Stufe benötigen.
4. Einbauorte im Grundriss markieren
Ein guter Montagepunkt funktioniert innen und außen. Innen müssen Luftwege frei bleiben und Filter erreichbar sein. Schränke, Vorhänge und spätere Einbauten dürfen das Innenpaneel nicht verdecken. Im Schlafzimmer sollten Luftleistung und Einbauort gemeinsam betrachtet werden; der Beitrag Dezentrale Lüftung im Schlafzimmer hilft bei der leisen Auslegung.
Außen sind Fensterlaibungen, Fallrohre, Vordächer, Balkone und die gewünschte Fassadenansicht zu berücksichtigen. Markieren Sie die Positionen in Ansichten und Grundrissen, nicht nur auf einem separaten Lüftungsplan. So erkennen Architekt, Elektriker, Fassadenbauer und Kernbohrbetrieb dieselben Einbaupunkte.
5. Wandaufbau und Kernbohrungen festlegen
Die Wandöffnung muss zum konkreten Modell, Wandrohr und Außenabschluss passen. Für Vario 160 nennt der aktuelle Shop eine empfohlene Kernbohrung von Ø 170–180 mm; für Vario 110 sind es Ø 120–130 mm. Übertragen Sie diese Werte nicht pauschal auf DZ oder Easy+. Dort gilt die aktuelle Anleitung des tatsächlich gelieferten Geräts.
Dokumentieren Sie außerdem Wandstärke, Dämmung, Putzaufbau und erforderliches Gefälle. Die häufigsten handwerklichen Stolperstellen fasst der Ratgeber Dezentrale Lüftung selbst einbauen: typische Montagefehler zusammen.
6. Stromversorgung und Steuerung koordinieren
Vor dem Verputzen muss feststehen, wo Spannungsversorgung, Bedienelemente und gegebenenfalls Verbindungsleitungen liegen. Easy+ wird über einen gemeinsamen Wandcontroller bedient. DZ und die Vario-Modelle bieten andere Bedien- und App-Konzepte. Eine Steckdose an einer zufälligen Stelle ersetzt keine abgestimmte Elektroplanung.
Legen Sie außerdem fest, welche Geräte gemeinsam bedient werden sollen und wo ein Controller gut erreichbar ist. Der Ratgeber Lüftung per App steuern trennt die Funktionen der einzelnen Modelle. Elektrische Anschlüsse sind entsprechend Anleitung und durch eine dafür qualifizierte Person auszuführen.
7. Luftwege zwischen den Räumen mitdenken
Frische Luft muss nicht nur in einen Raum gelangen, sondern sich entlang des geplanten Weges bewegen können. Geschlossene, sehr dicht ausgeführte Innentüren können den Luftaustausch zwischen Räumen behindern. Türunterschnitte oder andere Überströmwege gehören deshalb in die Gesamtplanung und müssen mit Schall-, Brand- und Komfortanforderungen vereinbar sein.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen innenliegende Bäder, Küchenbereiche und Räume mit Feuerstätten. Hier reicht eine pauschale Produktempfehlung nicht. Stimmen Sie das Konzept mit den zuständigen Planern und Gewerken ab.
8. Inbetriebnahme und Wartung vorbereiten
Nach dem Einbau sollten Gerätezuordnung, Betriebsarten, Luftwege und Bedienung kontrolliert werden. Halten Sie Modell, Einbauort und Paarzuordnung in einer einfachen Liste fest. Übergeben Sie Bedienungsanleitungen und Wartungshinweise an die späteren Nutzer.
Filter müssen erreichbar bleiben. Planen Sie keine Vorhänge, Schränke oder festen Verkleidungen unmittelbar vor dem Innenpaneel. Wann eine Kontrolle oder ein Wechsel sinnvoll ist, erklärt der Ratgeber Lüftungsfilter wechseln.
Planungsfahrplan nach Bauphase
| Bauphase | Was feststehen sollte |
|---|---|
| Entwurf | Raumnutzung, Luftbedarf, Lüftungsprinzip und besondere Anforderungen |
| Ausführungsplanung | Gerätemodell, Anzahl, Paarbildung, Einbauorte und Überströmwege |
| Rohbau | Wandöffnungen, Wandstärken, Gefälle und Fassadenpositionen |
| Elektro und Putz | Versorgung, Controllerpositionen und Leitungswege |
| Fertigstellung | Montage, Zuordnung, Funktionsprüfung, Dokumentation und Einweisung |
FAQ zur dezentralen Lüftung im Neubau
Wann sollte die Planung beginnen?
Idealerweise in der Entwurfs- oder frühen Ausführungsplanung. Spätestens vor Kernbohrungen, Elektroinstallation, Innenputz und Fassadenarbeiten müssen Modell, Einbauort und Steuerung feststehen.
Braucht jeder Raum ein eigenes Gerät?
Nicht automatisch. Entscheidend sind Nutzung, notwendiger Luftstrom, Luftwege und das gewählte System. Die Planung erfolgt raumweise, wird aber als zusammenhängendes Konzept betrachtet.
Kann ich die Geräte erst nach dem Verputzen auswählen?
Das ist möglich, schränkt aber die Lösung ein. Wandöffnung, Leitungsweg, Controller und Fassadenabschluss hängen vom Modell ab. Eine frühe Auswahl vermeidet sichtbare Nachinstallationen.
Reicht der Online-Lüftungsplaner als Nachweis?
Der JESSP Lüftungsplaner unterstützt die Vorauswahl. Er ersetzt keine objektspezifische Fachplanung oder einen erforderlichen normativen beziehungsweise baurechtlichen Nachweis.
Fazit: Im Neubau spart frühe Planung die meiste Nacharbeit
Eine dezentrale Lüftung im Neubau lässt sich besonders sauber integrieren, wenn Luftbedarf, Gerätezahl, Paarbetrieb, Einbauorte und Elektroanschlüsse vor dem Innenausbau feststehen. Starten Sie mit den Räumen und Luftwegen – nicht mit der Kernbohrung. Erst danach folgt die Auswahl des passenden JESSP Modells.
Fachliche Quellen: DIN Media: DIN 1946-6:2019-12 und Umweltbundesamt: Neubau – energieeffizient und ökologisch.
Lüftung vor dem Innenausbau vorausplanen
Erfassen Sie Räume, Nutzung und Luftbedarf. Vergleichen Sie anschließend die passenden JESSP Geräte.

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