Eine dezentrale Lüftung lässt sich in vielen Bestandsgebäuden nachrüsten, ohne ein Luftkanalnetz durch das ganze Haus zu verlegen. Einfach ein Loch bohren und ein Gerät einsetzen reicht jedoch nicht. Gute Ergebnisse entstehen, wenn Luftbedarf, Einbauorte, Wandaufbau, Stromversorgung und spätere Bedienung vor der ersten Kernbohrung zusammenpassen.

Die wichtigste Empfehlung: Planen Sie zuerst den Luftweg durch Wohnung oder Haus und wählen Sie danach Gerät, Wandöffnung und Zubehör. Wer mit der Kernbohrung beginnt, bevor Gerätezahl und Modell feststehen, schränkt die späteren Möglichkeiten unnötig ein.

Warum Lüftung bei einer Sanierung neu betrachtet werden sollte

Neue Fenster, gedämmte Bauteile und abgedichtete Anschlüsse können den unkontrollierten Luftaustausch eines älteren Gebäudes deutlich verändern. Das ist energetisch gewollt, bedeutet aber auch: Feuchtigkeit und verbrauchte Luft verschwinden nicht mehr auf dieselbe Weise wie zuvor.

Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die Gebäudehülle nach energetischer Sanierung dichter sein kann und sich der passive Luftaustausch dadurch verringert. Ob Fensterlüftung genügt oder eine technische Lösung sinnvoll ist, muss für das jeweilige Gebäude beurteilt werden. Eine dezentrale Lüftung ist dabei besonders interessant, wenn einzelne Räume oder Nutzungseinheiten ohne umfangreiches Kanalnetz erschlossen werden sollen.

Schritt 1: Nicht das Gerät, sondern den Luftweg planen

Eine Lüftung soll Außenluft dorthin bringen, wo Menschen sich länger aufhalten, und feuchte oder belastete Luft aus geeigneten Bereichen abführen. Deshalb wird nicht jeder Raum isoliert betrachtet. Türen, Flure und mögliche Überströmwege gehören zur Planung.

Erfassen Sie zunächst:

  • Raumart, Fläche und Raumhöhe
  • Anzahl der Personen und typische Nutzungszeiten
  • Feuchtequellen durch Schlafen, Duschen, Kochen oder Wäschetrocknen
  • geeignete Außenwände und mögliche Gerätepositionen
  • Türen und andere Wege, über die Luft zwischen Räumen strömen kann
  • gewünschte Bedienung, Filterung und Geräuschreserve

Wie aus diesen Angaben eine sinnvolle Gerätezahl entsteht, erklärt der Ratgeber „Wie viele dezentrale Lüftungsgeräte brauche ich?“. Für eine erste raumweise Auslegung können Sie außerdem den kostenlosen JESSP Lüftungsplaner nutzen.

Schritt 2: Gerät und Wandöffnung gemeinsam auswählen

Bei einer Nachrüstung sind Luftleistung und Einbaumaße gleich wichtig. Eine kleinere Kernbohrung kann baulich attraktiv sein, darf aber nicht dazu führen, dass die benötigte Luftmenge nur mit unnötig vielen Geräten oder dauerhaft hoher Stufe erreicht wird.

JESSP-Gerät Frischluft je Gerät im WRG-Betrieb Einbauangabe Wichtig bei der Nachrüstung
Eco Smart DZ 25 m³/h Rohr Ø158 mm; Wandstärke 280–470 mm Sensorvariante, WLAN/App und Montage von innen
Eco Smart Easy+ 25 m³/h Rohr Ø160 mm; empfohlene Kernbohrung Ø170 mm Wandcontroller und Anschlussplanung berücksichtigen
Eco Smart Vario 160 30 m³/h Gerät Ø160 mm; empfohlene Kernbohrung Ø170–180 mm höherer Planungswert; F7-Filter optional
Eco Smart Vario 110 12,5 m³/h Gerät Ø110 mm; empfohlene Kernbohrung Ø120–130 mm kleinere Öffnung, aber geringerer Planungswert

WRG steht für Wärmerückgewinnung. Die Werte in der Tabelle sind die durchschnittlichen Frischluft-Planungswerte im wechselnden Zu- und Abluftbetrieb, nicht einfach die höchste Ventilatorstufe. Weitere Unterschiede bei Steuerung und Filter zeigt der JESSP-Gerätevergleich.

Schritt 3: Einbauort und Wandaufbau prüfen

Vor einer Kernbohrung müssen Innen- und Außenseite der Wand betrachtet werden. Innen braucht das Gerät genügend Freiraum für Bedienung, Filterwechsel und Wartung. Außen darf die Haube nicht durch Fallrohre, Vordächer, Rollladenkästen oder andere Bauteile behindert werden.

Zur Vorprüfung gehören insbesondere:

  • Wandstärke einschließlich Putz, Dämmung und Fassadenbekleidung
  • Material und statische Funktion des Wandbereichs
  • verdeckte Strom-, Wasser-, Heizungs- oder andere Leitungen
  • mögliche Wärmebrücken und ein luftdichter Anschluss an den Wandaufbau
  • vorgesehene Leitungsführung zur Stromversorgung beziehungsweise zum Controller
  • Zugang zur Außenfassade und sichere Montage der Außenhaube
  • das vom jeweiligen Gerät vorgegebene Gefälle beziehungsweise die Einbaulage

Das Gefälle sollte nicht pauschal aus einem anderen Projekt übernommen werden. Maßgeblich ist die Anleitung des gewählten Geräts. Auch die endgültige Kernbohrung wird erst festgelegt, wenn Modell, Wandrohr und Abdichtung geklärt sind.

Montage von innen und dicke Wände

Bei schwer erreichbaren Fassaden kann die Art der Außenhaube einen großen Unterschied machen. Die JESSP EasyMount 160 verbindet Außenhaube und Wandrohr zu einer Einheit, die von innen durch die Wandöffnung eingesetzt wird. Dadurch ist für die Außenhaube in der Regel keine Leiter oder kein Gerüst an der Fassade erforderlich. Vor der Bestellung muss jedoch geprüft werden, ob die Rohrlänge von 270 mm zum vorhandenen Wandaufbau passt.

Bei dicken Außenwänden kann der JESSP Aero Extend die Wanddurchführung von Eco Smart DZ und Easy+ verlängern. Solches Zubehör sollte von Anfang an eingeplant werden. Eine nachträgliche Improvisation am bereits eingebauten Luftkanal erschwert einen sauberen und dichten Anschluss.

Warum Paarbetrieb und Überströmwege wichtig sind

Viele dezentrale Geräte mit Wärmerückgewinnung wechseln regelmäßig zwischen Zu- und Abluft. Zwei abgestimmte Geräte können gegenläufig arbeiten: Während ein Gerät Außenluft zuführt, fördert das andere Raumluft nach außen. Danach wechseln beide ihre Richtung.

Dieser Betrieb funktioniert nur sinnvoll, wenn die Luft zwischen den betrachteten Bereichen strömen kann. Dauerhaft dicht geschlossene Türen können den geplanten Luftverbund begrenzen. Die Funktionsweise und die Abgrenzung zwischen maximaler Ventilatorleistung und nutzbarer Frischluftmenge erläutert der Beitrag „Push-Pull-Lüftung: Paarbetrieb einfach erklärt“.

Ein typisches Sanierungsbeispiel

Eine Wohnung erhält neue Fenster. Zwei Personen nutzen das Schlafzimmer, der Wohnbereich ist offen, das Bad erzeugt regelmäßig Feuchtespitzen. Eine seriöse Planung beginnt jetzt nicht mit „ein Gerät pro Zimmer“, sondern mit vier Fragen:

  1. Welche Luftmenge wird in den einzelnen Bereichen benötigt?
  2. Wo sind geeignete Außenwände und ruhige Einbauorte vorhanden?
  3. Wie gelangt Luft bei geschlossenen Türen vom Zuluft- zum Abluftbereich?
  4. Welche Kombination erreicht den Bedarf auf einer alltagstauglichen Stufe?

Erst danach wird entschieden, ob beispielsweise die kleinere Wandöffnung des Vario 110 genügt oder ein 160-mm-Gerät mit höherem Planungswert sinnvoller ist. Für Schlafräume sollte außerdem nicht nur der niedrigste dB(A)-Wert betrachtet werden. Leistungsreserve und Einbauort sind ebenso wichtig; mehr dazu steht im Ratgeber „Dezentrale Lüftung im Schlafzimmer: Lautstärke richtig planen“.

Die richtige Reihenfolge für die Nachrüstung

  1. Bestand aufnehmen: Räume, Nutzung, Personen, Feuchtequellen und vorhandene Außenwände erfassen.
  2. Luftweg planen: Zu-, Abluft- und Überströmbereiche festlegen.
  3. Luftbedarf bestimmen: Gerätezahl nicht nur aus Quadratmetern ableiten.
  4. Modelle auswählen: Leistung, Geräusch, Filter, Steuerung und Wandöffnung vergleichen.
  5. Wand und Fassade prüfen: Leitungen, Statik, Dämmung, Wandstärke und Außenabschluss klären.
  6. Zustimmungen klären: Bei Mietobjekten, Wohnungseigentum oder gestalterisch geschützten Fassaden vorab prüfen, welche Freigaben notwendig sind.
  7. Montage vorbereiten: Kernbohrung, Leitungsweg, Wandrohr, Abdichtung und Zubehör aufeinander abstimmen.
  8. Inbetriebnehmen und dokumentieren: Betriebsart, Paarung, Steuerung und Filterzugang prüfen und die Bedienung erklären.

Was geübte Heimwerker selbst machen können – und was nicht

Ein technisch erfahrener Heimwerker kann je nach Wandaufbau vorbereitende und mechanische Arbeiten übernehmen. Eine Kernbohrung durch unbekannten Bestand ist jedoch kein guter Ort für Vermutungen. Leitungsortung, statisch relevante Bauteile, Wärmedämmverbundsysteme und schwer erreichbare Fassaden sprechen häufig für einen Fachbetrieb.

Für elektrische Arbeiten gelten die Sicherheits- und Anschlussvorgaben der jeweiligen Anleitung. Die Easy+-Controller-Anleitung fordert beispielsweise, die Stromversorgung vor Verkabelungsarbeiten auszuschalten und diese Arbeiten durch Fachpersonal ausführen zu lassen. Auch bei steckerfertigen Geräten müssen Leitungsweg, Steckdose und Schutz vor Feuchtigkeit zum Einbauort passen.

Häufige Fehler beim Nachrüsten

  • Kernbohrung vor Gerätewahl: Durchmesser und Zubehör passen anschließend möglicherweise nicht.
  • Nur nach kleiner Öffnung entscheiden: Der geringere Volumenstrom kann zusätzliche Geräte erforderlich machen.
  • Maximalleistung als Dauer-Planungswert nutzen: Im Wärmerückgewinnungsbetrieb ist der Frischluftwert geringer.
  • Überströmwege vergessen: Luft erreicht bei geschlossenen Türen nicht den vorgesehenen Bereich.
  • Wandstärke nur innen messen: Dämmung, Putz und Fassadenaufbau gehören zur Gesamtlänge.
  • Wartung nicht mitplanen: Filter und Inneneinheit müssen später zugänglich bleiben.
  • Schlafzimmergerät zu knapp auslegen: Dauerbetrieb auf hoher Stufe kann unnötig störend sein.

Häufige Fragen zur Nachrüstung

Kann eine dezentrale Lüftung nach neuen Fenstern nachgerüstet werden?

Grundsätzlich ja. Entscheidend ist, dass Luftbedarf, Gerätepositionen, Außenwände, Stromversorgung und Luftwege gemeinsam geplant werden. Bei einer Sanierung sollte dies möglichst vor Abschluss der Oberflächenarbeiten geschehen.

Braucht jedes Zimmer ein eigenes Gerät?

Nicht automatisch. Die Gerätezahl hängt unter anderem von Nutzung, Personen, benötigtem Volumenstrom, Grundriss und Überströmwegen ab. Eine reine Quadratmeter-Faustformel ist dafür zu ungenau.

Welche Kernbohrung ist erforderlich?

Das hängt vom Modell ab. Für Easy+ nennt JESSP Ø170 mm, für Vario 160 Ø170–180 mm und für Vario 110 Ø120–130 mm. Beim Eco Smart DZ ist ein Rohrdurchmesser von 158 mm angegeben; die konkrete Bohrung wird nach Anleitung und Montageaufbau festgelegt.

Kann ich zuerst ein Gerät einbauen und später erweitern?

Eine Erweiterung kann möglich sein, wenn Steuerung, Paarung und spätere Einbauorte von Anfang an berücksichtigt werden. Planen Sie deshalb den gewünschten Endzustand, auch wenn die Umsetzung in Etappen erfolgt.

Fazit: Erst planen, dann bohren

Eine dezentrale Lüftung ist für viele Sanierungen eine flexible Lösung. Entscheidend ist nicht die schnellste Montage, sondern ein stimmiges Gesamtkonzept aus Luftmenge, Luftweg, Gerät, Wandöffnung und Bedienung. Wer diese Punkte vorab klärt, vermeidet unnötige Bohrungen, unpassendes Zubehör und dauerhaft zu hohe Betriebsstufen.

Nachrüstung jetzt vorbereiten

Erfassen Sie Räume und Nutzung im kostenlosen JESSP Lüftungsplaner. Sie erhalten eine erste Orientierung zu Gerätewahl und Gerätezahl. Bei komplexen Grundrissen oder besonderen baulichen Anforderungen sollte das Ergebnis anschließend fachlich geprüft werden.

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Produkt- und Einbaudaten geprüft anhand der JESSP-Shopinformationen und verlinkten Anleitungen am 17. September 2026. Allgemeine Einordnung zur Lüftung nach energetischer Sanierung: Umweltbundesamt, zuletzt aktualisiert am 13. Dezember 2024. Dieser Beitrag ersetzt keine objektspezifische Fachplanung oder Prüfung von Statik, Elektroinstallation und erforderlichen Genehmigungen.

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